Anke Hoyer (Hotel Grüner Wald), Jörg Möhrle (Schwarzwaldhotel Tanne Tonbach), Oliver Widmann (Friedrich´s am Kienberg und Martinique), Christina Beilharz (Hotel Rössle Alpirsbach), Steffen Schillinger (Hotel Fritz) und Winfried Asprion, Landtagskandidat der Grünen. Leider nicht auf dem Bild: Beate Gaiser, Vorsitzende des DEHOGA Freudenstadt.

Arbeitstreffen mit Vertretern des Dehoga Freudenstadt

Coronagerecht konnte im Hotel Fritz in Lauterbad, wunderschön gelegen, ein Treffen zwischen Vertretern des Dehoga Freudenstadt und dem grünen Landtagskandidaten Winfried Asprion stattfinden. Die grüne Co-Kreisvorsitzende Esther Kießling war bei dem Gespräch ebenfalls mit dabei.

Die Gastronomie, die für den Landkreis einen positiven Ruf weit hinaus ins Land geschaffen hat, ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und beschäftigt viele Menschen. Rund 230 Betriebe sind im Dehoga organisiert; von den Hoteliers sind die meisten mit an Bord.

Die Vorsitzende, Beate Gaiser, stellte zunächst die Hotellerie- und Gastronomie im Landkreis vor und verwies auf die weiter steigende Nachfrage an Urlaub und Wellness in unserer Gegend. Sie kam dann aber sofort auf das größte Problem, welches die örtlichen Betriebe derzeit am meisten unter Druck setzt: die schleppende Auszahlung der Überbrückungshilfen, von denen z.B. noch nicht einmal die November-Hilfe bei allen Betrieben angekommen ist. Da das Kurzarbeitergeld von den Betrieben vorgestreckt werden muss und auch dessen Auszahlung durch die Bundesagentur für Arbeit teilweise erst mit langer zeitlicher Verzögerung vorgenommen wird, beeinträchtigt dies die Liquiditätslage der Betriebe zusätzlich. Wobei Frau Gaiser auf die gute Zusammenarbeit insgesamt mit dem Arbeitsamt hinwies.

Ein grundsätzliches Problem ist der Umgang mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Insbesondere ist ein Teil der Belegschaft eingebunden, um die in Ausbildung stehenden jungen Menschen zu betreuen und ihnen eine Weiterführung ihrer Ausbildung zu ermöglichen. Diese Kosten fallen komplett auf die Betriebe zurück und sind eine hohe Investition in die Zukunft. Viele Beschäftigte arbeiten in Teilzeit und sind auf die Einnahmen angewiesen, diese Mitarbeiter*innen erhalten aber keinerlei Unterstützung durch staatliche Stellen. Anke Hoyer vom Hotel Grüner Wald sprach noch das Problem der Arbeitszeitbeschränkungen an, die es für manche Betriebe sehr schwer mache, flexibel auf Kundenwünsche zu reagieren. Der DEHOGA plädiert für eine wöchentliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer von 48 Stunden, die im Durchschnitt von vier Kalendermonaten oder 16 Wochen nicht überschritten werden darf. Hier sollte über ein Pauschalmodell nachgedacht werden, bekräftigte auch Winfried Asprion.

Um wenigstens noch einen Teil der Saison zu retten, wäre es wünschenswert, dass die Hotels und Gastronomiebetriebe zu Ostern öffnen können. Eine geeignete Vorlaufzeit um die Betriebe hochzufahren wurde angemahnt. Schließlich ist viel zu organisieren, das geht nicht von heute auf morgen und nur so können die Betriebe auch funktionierende Hygienekonzepte umsetzen. Das zusammen mit Schnelltests kann ausreichend Sicherheit geben, um wieder in den Normalbetrieb überzugehen.

Angesprochen auf die Frage, wie denn Betrieben, die unter Druck stehen, geholfen werden kann, führte Winfried Asprion aus, dass zum einen die beschlossenen Hilfen nicht mit dem Tag der Wiedereröffnung enden können, da sich voraussichtlich einnahmeseitig noch eine längere Durststrecke ergeben könnte, bis die Betriebe wieder voll ausgelastet sind. Sonderabschreibungen und Investitionszuschüsse auf bestimmte Wirtschaftsgüter seien in Erwägung zu ziehen. Auch eine Verlängerung der Mehrwertsteuersenkung wäre neben einem erweiterten Verlustrücktrag in die Vorjahre ein probates Mittel, um schnelle Hilfe leisten zu können.

Oliver Widmann, Friedrichs’s am Kienberg und Discothek Martinique, stellte dann fest, dass viele Betriebe in der Vergangenheit angesparte Rücklagen für geplante Investitionen zwischenzeitlich für den laufenden Betrieb verwenden mussten. Das würde für die Zukunft eine Zunahme des Investitionsstaus bedeuten. Hier wäre laut Winfried Asprion auch das Land in der Pflicht, über die Förderbanken entsprechende Möglichkeiten mit Tilgungszuschüssen zu schaffen.

Ebenso kam das Thema Unternehmerlohn in die Diskussion. Erst jetzt, wenn solche Daten Grundlage von Förderungen bzw. Ersatzleistungen sind, wird die Dimension klar. Es kann nicht sein, dass die Unternehmer um die Früchte ihrer Leistung gebracht werden, indem ein bisher nicht vorhandener Unternehmerlohn auch zu keiner Ersatzleistung führt. Hier ist dringend eine gesetzliche Regelung z.B. anhand der Umsatzleistungen anzustreben.

Steffen Schillinger vom Hotel Fritz merkte an, dass in der Nähe des Hotels eine brachliegende Bahnstation sei, die für Kunden seines und auch anderer Häuser gut nutzbar wäre. Darauf entgegnete Winfried Asprion, dass es Programm der Grünen sei, stillgelegte Bahnstrecken wieder zu reaktivieren. Es bedarf eines weiteren Umdenkens weg von der Straße, hin zur Schiene. Wie aktuell festgestellt wurde, wurde im vergangenen Jahr nicht ein Kilometer zusätzliche Bahnstrecke in Betrieb genommen – hier besteht dringend Handlungsbedarf. Das ist auch eines der zentralen Vorhaben der Grünen für die neue Legislaturperiode.

Grundsätzlich möchten die Grünen sanften Tourismus fördern. Jörg Möhrle vom Schwarzwaldhotel Tanne in Tonbach erwähnte den durch den Nationalpark ausgelösten neuen Busverkehr als sehr positiven Impuls auch für den Tourismus.

Einigkeit bestand auch darüber, dass die Urlauber hier die Natur schätzen, dabei aber – vor allem Geschäftsleute, die bei hiesigen Firmen zu Besuch sind – nicht auf die gewohnten Möglichkeiten der Nutzung von Internet usw. verzichten möchten oder können. Deshalb ist es auch für die Gastronomie von hoher Bedeutung, dass ein weiterer schneller Ausbau der digitalen Infrastruktur angegangen wird.

Hinsichtlich der möglichen Zuschüsse bei Investitionen wurde von Christina Beilharz vom Hotel Rössle, Alpirsbach auch auf das „de-minimis-Problem“ hingewiesen, welches besagt, dass alle Zuschüsse zusammen bestimmte Beträge nicht überschreiten dürfen. Da hier auch Landesgelder für Personal und Ausbildung mit einberechnet werden, fehlt dieser Betrag dann bei der tatsächlichen Investition. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, da die Zuschüsse für Personal einen anderen wichtigen Bereich abdecken, der von baulichen Investitionen getrennt betrachtet werden muss.

Gerade weil der Hotel- und Gastronomiebereich ein Synonym für den Landkreis ist, sagten sowohl Winfried Asprion als auch Esther Kießling jede Form der Unterstützung über die Landtagsfraktion der Grünen zu.

Auf dem Bild von links:

Anke Hoyer (Hotel Grüner Wald), Jörg Möhrle (Schwarzwaldhotel Tanne Tonbach), Oliver Widmann (Friedrich’s am Kienberg und Martinique), Christina Beilharz (Hotel Rössle Alpirsbach), Steffen Schillinger (Hotel Fritz) und Winfried Asprion, Landtagskandidat der Grünen.

Leider nicht auf dem Bild: Beate Gaiser, Vorsitzende des DEHOGA Freudenstadt.

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