Corona-Auswirkungen auf die örtliche Fitnessbranche

Reiner Häsler und Winfried Asprion

Zu einem Austausch über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die örtliche Fitnessbranche trafen sich Reiner Häsler, Inhaber des Häsler-Vital-Centers in Horb und der Landtagskandidat der Grünen, Winfried Asprion.

Reiner Häsler ging zunächst auf die lange Schließungszeit ein. Seit dem 02. November 2020 ist es seinen Kunden nicht mehr möglich, Sport im Studio zu treiben. Die lange Zeit sei für die Menschen sehr ermüdend und er ist sich sicher, dass bei einem Ende des Lockdown hohe Nachfrage im Studio herrscht.

Während der Durchschnitt der Branche in dieser Zeit fast 25 % Kündigungen zu verzeichnen hat, ist es bei ihm deutlich weniger, da viele Kunden seit Jahren mit dabei sind und auch bleiben wollen.

Das größte Problem sei, dass fixe Kosten immer weiterlaufen würden, die aber vollmundig vom Bund angekündigten Finanzierungshilfen sehr schleppend und nur zum Teil ausgezahlt worden seien. Da auch keine Beiträge mehr vereinnahmt können, ist die finanzielle Situation angespannt. Irgendwann, sagt Reiner Häsler, sind eben die Ersparnisse aufgebraucht und dann wird es eng.

Teile der Belegschaft sind in Kurzarbeit. Problematisch ist diese lange Ausfallzeit jedoch für geringfügig beschäftigte Mitarbeiter*innen, da deren Lohn nicht vom Arbeitsamt übernommen wird, sondern einen Totalausfall darstellen.

Reiner Häsler betonte, dass es den Nutzern seines Centers darauf ankomme, etwas für die Gesundheit zu tun und dies eben jetzt seit langem nicht mehr möglich sei. Das könnte im einen oder anderen Fall zu gesundheitlichen Problemen führen, deshalb ist er der Ansicht, dass bei Vorliegen eines funktionierenden Hygienekonzepts eine Öffnung möglich sein sollte. Allerdings erwartet er Vorgaben, die aufgrund des Platzanspruchs für die vom Center angebotenen vielfältigen Kurse schwierig umzusetzen sein könnten.

Zwar hat auch der Dachverband der Fitness-Center reagiert und ist auf die Regierung mit eigenen Forderungen zugegangen, bisher konnte aber kein Durchbruch erreicht werden.

Reiner Häsler und Winfried Asprion waren sich einig, dass über den März-Termin hinaus ein Lockdown nur noch schwer vermittelbar sei. Tatsächlich sind Januar und Februar historisch die wichtigsten Monate für Fitness- und Yogastudios, weil die Kunden mit guten Vorsätzen ins neue Jahr starten. So kommt mindestens ein Drittel der jährlichen Neuanmeldungen in den ersten beiden Monaten dazu.

Inhabergeführte Studios hingegen seien zwar teurer für das Mitglied, aber auch kleiner und individueller und haben zudem oft eine feste Community, die das Studio unterstützen und erhalten will.

Die Fitnessstudios in Deutschland erreichten nach einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte im Jahr 2019 Höchststände. So verzeichnete die Branche mehr als 11,6 Millionen Mitgliedschaften. Der Gesamtumsatz legte um 3,4 Prozent auf rund 5,5 Milliarden Euro zu. 14 Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland verfügt über eine Mitgliedschaft bei einem kommerziellen Anbieter. Für die allgemeine Gesundheit könnte man Fitnessstudios als systemrelevant bezeichnen.

Jetzt ist das zuständige Ministerium gefragt, die in den Raum gestellten finanziellen Hilfen unverzüglich auszuzahlen und nicht durch bürokratische Exzesse Existenzen zu vernichten. 

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