Einblicke im Kinderheim Rodt

(von links):
Cornelia Müssigmann, Bereichsleiterin stationäre Hilfen,
Jochim Lutz, Fachbereichsleiter Schule und Schulleiter
Winfried Asprion, Landtagskandidat
Walter Hornbach, Gemeinderat Loßburg (Grüne)
Wilfried Neumann, Bereichsleiter ambulante Hilfen
Edwin Benner, Fachbereichsleiter Jugendhilfe

Zu einem Besuch mit Fachgespräch bei der BruderhausDiakonie Jugendhilfeverbund Kinderheim Rodt und der dort angegliederten Ludwig-Haap-Schule traf sich Winfried Asprion, Landtagskandidat der Grünen mit der Leitungsebene der Einrichtung. Begleitet wurde er von Walter Hornbach, einem Gemeinderat der Grünen in Loßburg.

Mit insgesamt rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Landkreis Freudenstadt ist die BruderhausDiakonie nach wie vor nah an ihren Schützlingen. Durch aufsuchende Arbeit zuhause wird versucht, den sozialen Rahmen, der durch die Schulschließung weggefallen ist, zu kompensieren.

Die Einrichtung der Bruderhaus-Diakonie bietet ambulante und stationäre Hilfe für Kinder und Jugendliche in schwierigsten Lebenssituationen an. Familienhilfe, Schulsozialarbeit, betreutes Jugendwohnen und sonderpädagogische Schule sind ein Teil des engmaschigen Netzwerkes, durch das die Einrichtung Kindern und Jugendlichen helfen will, ein selbstständiges Leben führen zu können. Erfreulich hierbei ist, dass die meisten Jugendlichen hier so gestärkt werden, dass sie selbstbewusst auch in Ausbildung und Arbeitsmarkt ihren eigenen Lebensentwurf umsetzen können.

Voraussetzung dafür, dass ein Kind betreut wird, ist eine Aufnahmebitte des Jugendamtes oder aber des Kindes selber. Traumatische Erlebnisse, die durchlebt wurden, können mit räumlichem Abstand und entsprechender professioneller Begleitung aufgearbeitet werden. Eine Aufnahme ist grundsätzlich an jedem Tag rund um die Uhr durch die Einrichtung gewährleistet.

Jochim Lutz, Fachbereichsleiter Schule und Schulleiter merkte an, dass die Corona-Bestimmungen natürlich auch hier zu Schwierigkeiten geführt haben. Zwar hat die Schule eine funktionierende Schul-Cloud, aber es fehlt immer noch an digitalen Endgeräten für Lehrkräfte und Schüler. Die Lehrerinnen und Lehrer besuchen ihre Schüler zuhause, sprechen Arbeitsaufträge durch und sind auch sonst Ansprechpartner. Dies kann aber die sozialen Begegnungen in der Schule wie andernorts nicht ersetzen. Gerade in den schwierigen Lebenssituationen, in den sich die Kinder und Jugendlichen befinden, ist die Schulschließung problematisch. Ein Wunsch seinerseits für die Zeit nach Corona besteht in kleineren Klassen und zur kraftvollen Umsetzung der Inklusion mehr Personal und auch gesellschaftliche Zustimmung.

Herr Lutz sprach ein wichtiges Problem an: in unserem Regierungsbezirk dürfen nur Lehrer*innen unterrichten. Sonderpädagogen hingegen erhalten keine Lehrerlaubnis. Das führt zu einer deutlichen Einschränkung des Personalangebots. Zudem setzt sich die Lehrerschaft aus beurlaubten Lehrern aus dem Staatsdienst zusammen und es ist festzustellen, dass überall Lehrkräfte fehlen und deshalb Beurlaubungen eher widerstrebend genehmigt werden. Die Lösung bestünde darin, den genannten Sonderpädagogen ebenfalls zu erlauben, zu unterrichten, so wie es in anderen Regierungsbezirken schon praktiziert wird.  

Überhaupt nicht verständlich ist dazu, dass zwar Sonderpädagogen überall gesucht werden, es etliche Studieninteressenten gäbe, aber ein scharfer numerus clausus eine zu hohe Hürde darstellt. Hier sind Änderungen dringend erforderlich!

Insbesondere angesichts der Tatsache, dass zum Schuljahresbeginn aufgrund der hohen Nachfrage eine dritte Eingangsklasse geschaffen wurde, zeigt den hohen Handlungsdruck.

Die Bereichsleiterin für stationäre Hilfen, Cornelia Müssigmann berichtete von Schwierigkeiten, für die Betreuung der Wohngruppen Personal zu finden. Die Arbeit ist sehr anspruchsvoll und die Betreuungszeiten rund um die Uhr sind für viele Berwerber*innen nicht reizvoll. Andererseits berichtete sie von langgedienten Kräften, die diese Arbeit sehr erfüllend finden.

Die Einrichtung bildet derzeit 4 DH-Studenten und 5 Auszubildende aus. Die meisten bleiben auch nach Ende ihrer Berufsausbildung. Allerdings sieht Frau Müssigmann ein Problem darin, dass die DH-Studenten zu 30% auf den Personalschlüssel angerechnet werden, aufgrund Schulbesuch und Urlaub aber bei weitem nicht in diesem Verhältnis zur Verfügung stehen. Die eingesetzten Mitarbeiter*innen müssen daher diesen Personalanteil auffangen. Daher ist es wünschenswert, dass die Anrechnung vollständig abgeschafft wird.

Die ambulanten Dienste laufen in gewohntem Umfang weiter, berichtete Bereichsleiter Wilfried Neumann. Zwar verursacht Corona einen höheren Aufwand, aber motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lösen auch dieses Problem. Zu keiner Zeit war das Personal in Kurzarbeit, immer konnten alle Dienste abgearbeitet werden.

Der langjährige Leiter der Einrichtung, Edwin Benner wies darauf hin, dass die gute Einbindung der Einrichtung in das Loßburger öffentliche Leben und die Vielfalt, die sich durch die ländliche Lage ergibt, zeigt, dass Heim und Schule am richtigen Platz sind. Allein die Möglichkeiten, die sich für die zwei beschäftigten Erlebnispädagogen ergeben, sind vielfältig. Wald und Wiese liegen direkt vor der Haustür und können für Sport und Bewegung genutzt werden.

Auch er äußerte den Wunsch, dass Inklusion nicht nur eine Worthülse bleibt, sondern tatsächlich gelebt und in der Gesellschaft verankert wird. Auch ist sehr wichtig, bei allen noch kommenden Pandemie-Problemen die Kinder jetzt und nach der Krise nicht zu vergessen. Jegliche Investition in Angebote für Kinder und Jugendliche ist eine richtige Investition in die Zukunft. Sehr zufrieden zeigte sich Herr Benner mit der Zusammenarbeit mit dem Jugendamt bzw. dem Landkreis.

Gestreift wurde auch noch das Thema Flüchtlinge. Alle Anwesenden konnten angesichts der furchtbaren Bilder aus den Flüchtlingslagern in Moria und Bosnien-Herzegowina nicht begreifen, dass die europäischen Staaten hier nicht schnell eine umfassende Lösung finden wollen. Die Hoffnungslosigkeit, die bei den in den Lagern lebenden Kindern und Jugendlichen sind eine schwere Hypothek für deren Zukunft. Man kann nur auf einen Sinneswandel hoffen!

Winfried Asprion dankte am Ende des zweistündigen Gesprächs für den Einblick in diese tolle Einrichtung. Die Arbeit aller dort Tätigen verdient den höchsten Respekt und Anerkennung. Gerade deshalb muss auch von politischer Seite aus noch mehr an Hilfestellungen gedacht werden.

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