Familienzentrum Freudenstadt – ein Leuchtturm-Projekt der Mehrgenerationen-Häuser

Zum sozialpolitischen Gespräch, auch im Blick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die laufende Arbeit trafen sich im Mehrgenerationenhaus Familien-Zentrum-Freudenstadt (FZF) der Grünen-Landtagskandidat Winfried Asprion, der Kreisvorsitzende der Grünen, die Co-Vorsitzende und Stadträtin in Freudenstadt Esther Kießling und Claudia Harrison von der Kreisgeschäftsstelle mit Marianne Reißing und Elisabeth Eiermann, beide im Vorstand und der ehrenamtlichen Geschäfts- und Einrichtungsleitung des FZF.

(v.l.n.r:) Esther Kießling, Claudia Harrison, Winfried Asprion mit Marianne Reißing und Elisabeth Eiermann

Frau Reißing stellte nach einer Hausführung den Werdegang des heutigen Familien-Zentrum-Freudenstadt anschaulich dar. Das Haus wird seit der Gründung 1991 immer noch im Ehrenamt geführt. Das FZF-Team blickt dieses Jahr auf sein 30-jähriges Bestehen, lädt am 3.10. zu einem „Tag der offenen Tür“ ein. Derzeit werden 27 hauptamtliche Mitarbeiter*innen beschäftigt, darunter auch Bundesfreiwilligendienste, Azubis und Menschen mit Schwerbehinderung, zusammen mit ehrenamtlich Aktiven beläuft sich das Personalkorsett auf über 90 Personen. Es werden über 1.600 ehrenamtliche Stunden pro Monat geleistet – ein leuchtendes Vorbild im Ehrenamt, wofür die Einrichtung vielfach ausgezeichnet wurde.

Natürlich kam es durch Corona zu massiven Einschnitten. Seit März 2020 ist der öffentliche Begegnungsbetrieb eingestellt, was vor allem für viele Familien und auch Senior*innen, die den Offenen Treff im Café AugenBLICK als tägliches niedrigschwelliges Angebot zur Begegnung nutzten, ein harter Einschnitt war und ist. Ebenso mussten viele Angebote zurückgenommen werden. Doch  viele Bereiche zur Entlastung von Familien und älteren Menschen sind weiterhin im Schichtbetrieb für angemeldete und vorab genehmigte Personengruppen geöffnet wie z.B. die Ganztages- und Halbtagesgruppen mit flexiblem Platzsharing-Modell zur Kleinkindbetreuung von 30 Kindern ab 6 Monate bis 3 Jahre, der Resozialisierungs- und Werkstättenbereich zur Beschäftigung und Betreuung von Menschen mit Handicaps, Virtuelle Familienbildungsangebote, wie z.B. der Alleinerziehendentreff, Babycafés für frischgebackene Eltern, Internationaler Müttertreff SALVETE, virtuelle Deutschkurse für Frauen mit Migrations- und Fluchthintergrund, Alltagsentlastungsdienste wie der FZF-Bügelservice, Näh-und Flickservice u.v.m.

Täglich wird weiterhin auch unermüdlich telefonische und digitale Eltern-, Familien- und Seniorenberatung als auch Beratung für Menschen in Not und für einsame Menschen angeboten. In der Not war das FZF aber auch erfinderisch und hat neue Familienentlastungsangebote über den Fensterverkauf auf den Weg gebracht: So wird z.B. Essen frisch und biologisch in der hauseigenen FZF-Küche nachhaltig hergestellt – „Omas Mittagstisch im Weckglas“ und „Omas Wochenendkuchen“. Dieser Service erfreue sich großer Beliebtheit. Auch für die Kleinkindbetreuung wird BIO-Essen für die anwesenden Kinder täglich frisch gekocht nach dem Motto: „Jedes Kind hat ein Recht auf gesundes Essen!“. Ebenso konnte die Weiterführung der haushaltsnahen Dienstleistungen sicher gestellt werden. Da das FZF keine staatliche Hilfe aus dem Coronaprogramm bekommt, ist jeder Euro, der anderweitig eingenommen werden kann, hilfreich.
Das Familien-Zentrum-Freudenstadt kann man mit Fug und Recht als „gesellschaftliches Labor“ bezeichnen, da hier viele Dinge ausprobiert und auf die sozialräumlichen Bedarfe hin passgenau umgesetzt werden und das FZF sich auch als Plattform für zivilgesellschaftliches Engagement versteht, die „Lust auf gesellschaftliche  Mitgestaltung“ macht. Der Erfolg gibt dem Vorstandsteam und allen ehrenamtlich Aktiven recht, ist das FZF doch bundesweit als „Freudenstädter Modell“ bekannt. Allerdings kommt die ehrenamtliche Führungsriege in ihrem 30-jährigen Engagement langsam an eine kritische Größe, bei der darüber nachgedacht werden muss, wie das spenden- und projektfinanzierte Haus in die Zukunft geführt werden kann.

Die vielfältigen Erfahrungen, die in Freudenstadt gesammelt werden konnten, sind auch hilfreich für andere Familienzentren, Mehrgenerationenhäuser, sozialräumlich-offene Einrichtungen als auch für Kommunen und Kirchen. Hier gibt das FZF seit Jahren sein Wissen weiter in landesweiten Lehrgängen als auch in individuellen Schulungen vor Ort für die zahlreichen Hospitationsdelegationen im FZF. Das FZF als unermüdlicher Sozialraumakteur ist nicht nur regional stark vernetzt, auch auf überregionaler Ebene. Frau Reißing ist z.B. als gewählte Sprecherrätin in der LAG Mehrgenerationenhäuser Baden-Württemberg und als gewählte  Landesdelegierte im Bundesnetzwerk Mehrgenerationenhäuser Deutschland sozialpolitisch engagiert.

Dass der Ruf weit über das Haus hinaus reicht, zeigt auch, dass etliche Mitarbeiter*innen hier ihren Bundesfreiwilligendienst ableisten, in soziale Berufe hineinschnuppern und auch Auszubildende und Student*innen im pädagogischen Bereich das FZF für ihren  beruflichen Weg vielfach wählen. Letztlich geht es darum, jeden Menschen dort abzuholen, wo er steht und offen und innovativ zu sein für gesellschaftliche Veränderungsprozesse.

Eine „Kultur der Achtsamkeit“ ist im Haus der integrativen Vielfalt Programm – jeder Mensch ist unabhängig von sozialem Stand, Alter, Behinderung oder Herkunft herzlich willkommen, die Angebote zu nutzen oder sich bestenfalls selber mit einzubringen. Diese sozialräumlich erfolgreich verortete und „gelebte“ Nachbarschaftskultur der Herzlichkeit und Mitmenschlichkeit trägt zur Sicherung des sozialen Friedens und unserer Demokratie erheblich bei.

Mit einem herzlichen Dankeschön und großem Respekt vor der großen ehrenamtlichen Leistung aller, die sich im Familien-Zentrum engagieren, verabschiedete sich Winfried Asprion. Er hofft, dass dem Familien-Zentrum mit noch mehr Spenden über die schwierige Corona-Lage hinweggeholfen werden kann und wird sich mit seiner Fraktion auf Landesebene weiter dafür einsetzen, dass die Mehrgenerationenhäuser in Baden-Württemberg als verlässlicher Partner in der Quartier 2030-Strategie endlich eine verlässliche finanzielle Planungssicherheit erhalten…, um weiter für die Menschen tagtäglich da sein zu können!

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