Info vor Ort bei der Forstbetriebsgemeinschaft Bad Rippoldsau-Schapbach

Winfried Asprion, Landtagskandidat der Grünen traf sich mit den Vorständen der Forstbetriebsgemeinschaft Bad Rippoldsau-Schapbach zu einem Austausch. Begleitet wurde er vom grünen Kreisvorstandsmitglied und Revierleiter Lutz Weinbrecht.

Zunächst skizzierte der erste Vorsitzende Stefan Schmieder die zeitliche Entwicklung und die Aufstellung der Forstbetriebsgemeinschaft. Schon in frühen Jahren gab es Vorgängervereine, die dann in der FBG zusammengefasst wurden.

Die Forstbetriebsgemeinschaft besteht aus über 70 privaten, 2 kirchlichen und 1 kommunalem Waldbesitzer. Die Größenverhältnisse könnten unterschiedlicher nicht sein – vom privaten Waldbesitzer mit 0,5 ha bis hin zu Höfen mit 170 ha Waldfläche. Insgesamt kommen so rund 3.500 ha bewirtschaftete Waldfläche zusammen.

Vorteil der Bündelung der jeweiligen Interessen besteht insbesondere in gemeinschaftlichen Versicherungen, gemeinsamer Wegeunterhaltung und einem für alle Mitglied nutzbaren Maschinenpark. Auf diesen können Nichtmitglieder gegen etwas höhere Gebühren ebenfalls zugreifen.

Die FBG unterhält über 90 Kilometer Waldwege. Gute Waldwege sind ein Garant für eine kostengünstige und sichere Bewirtschaftung der Flächen. Die Kosten für die Wegeunterhaltung sind vollständig privat finanziert, es gibt hier keinerlei öffentliche Zuschüsse.

Stefan Schmieder betonte, dass es zwar Förderprogramme geben würde, diese aber teilweise mit extrem hohem bürokratischem Aufwand verbunden und den örtlichen Gegebenheiten in keiner Weise angepasst seien. So sei z.B. allein die Vorschrift, das Dolen mindestens 1 Meter tief verlegt werden müssten, aufgrund des felsigen Untergrunds teilweise nicht umsetzbar und wenn, dann nur zu so hohen Kosten, dass eine Bezuschussung sinnlos wird. Hier besteht dringend Handlungsbedarf unter Zugrundelegung der örtlichen Verhältnisse.

Möglich wäre eine Förderung aber auch nur bei Waldwegen, die völlig kaputt sind. Da die FGB aber bestrebt ist, durch dauernde Ausbesserung von Wegen das Wegenetz immer in gutem Zustand zu halten, ist hier eine Förderung nicht möglich. Das widerspricht einer sinnvollen öffentlichen Förderung.

Der gemeinschaftliche Einkauf von Pflanzen und Betriebsmitteln kann für etwas günstigere Preise sorgen.

Der für den Holzverkauf zuständige Geschäftsführer, Hermann Schmid berichtete, dass die FBG pro Jahr zwischen 15.000 und 25.000 Festmeter Holz verkauft. Mit vielen Abnehmern besteht seit Jahren eine vertrauensvolle Geschäftsbeziehung. Allerdings sind durch die neuen Regelungen, mit denen die Qualität von Holz festgelegt wird, erhebliche Nachteile für die Waldbesitzer verbunden. Durch die neue Gütesortierung verschlechtert sich das Sortierergebnis. Die Folge des höheren Anteils an minderwertigem Holz sind wirtschaftliche Einbußen für die Waldbesitzer.

Für ihn ist die Zunahme des Schwarzwilds eine der größten Probleme. Fehlende natürliche Feinde und schwierige Bejagungsbedingungen führen zu einer deutlichen Zunahme der Population. Die dadurch angerichteten Schäden seien enorm und würden auch zu einer Kostenbelastung führen.

Bei der steuerlichen Behandlung von Einkünften aus Holzverkauf gewährt der Fiskus Pauschalen und Sonderregelungen. Bei Holzverkäufen ist die Steuerlast niedriger, als viele Waldbesitzer glauben. Denn Bemessungsgrundlage für die Einkommensteuer sind nicht die Einnahmen aus dem Holzverkauf, sondern der Gewinn. Und der Gewinn ist immer deutlich niedriger. Gewinne aus sogenannten Kalamitätsnutzungen wie z.B. bei Windbruch, Insektenfraß oder anderen Naturereignissen sind steuerlich begünstigt. Sämtliche Gewinne aus dem Holzverkauf werden nur mit dem halben Steuersatz versteuert. Aber diese Begünstigungen sind immer bezogen auf ein Wirtschaftsjahr.

Lässt aber ein Waldbesitzer mehrere Jahre verstreichen, bis er Holz erntet, kann er die ausgefallenen Freibeträge nicht nachholen und ist mit einem höheren Betrag steuerpflichtig, als wenn er dies auf alle Jahre verteilen könnte. Dies führt laut Herrn Schmid zu großen Problemen, da insbesondere kleine Waldbesitzer nicht jedes Jahr Holz einschlagen.

Stefan Schmieder führte aus, dass die FBG ein großes Nasslager, welches durch natürliches Wasservorkommen gespeist wird und seit dem Jahr 2000 besteht, neu beantragen muss. Dabei sind bürokratische Vorgaben in ihrer Aussage so strikt, dass es fraglich ist, dass Nasslager weiter betreiben zu können. Ökologisch wäre das Nasslager aber eine gute Alternative zur chemischen Behandlung des Holzes. Von daher sollten hier dringend Ausnahmetatbestände geschaffen werden.

Die Waldtrockenheit ist im Einzugsbereich der FGB momentan noch kein größeres Problem, könnte sich aber in Zukunft verschärfen. Daher wird auch versucht, bei Nachpflanzungen auf die klimatische Widerstandsfähigkeit der Pflanzen zu achten.

Insbesondere der Einsatz von Holz im Hausbau wäre ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Gerade bei uns wäre das durch kurze Transportwege und hohe CO2-Einsparung ein Gewinn gegenüber dem weiteren Einsatz von CO2-intensivem Zement. Hier kann für regionale Holzerzeuger hoffentlich bald ein weiterer Markt entstehen.

Die Waldbesitzer brauchen jetzt Unterstützung. Schließlich leisten sie für uns alle im Klimaschutz unersetzliche Arbeit und unterstützen durch die Pflege der Waldwege den Tourismus. Winfried Asprion fasst zum Schluss die wichtigsten Anliegen zusammen und dankte Herrn Schmieder und Herrn Schmid für das ausführliche Gespräch.

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